flower coordinates

Eine experimentelle Arbeitsweise, die sich durch Neugierde auszeichnet, die den Materialen und Prozessen Raum gibt und die den Zufall einbezieht.

Eine künstlerischer Arbeitsweise, die inspiriert ist von der Auseinandersetzung mit philosophischen Positionen und angetrieben wird von dem Wunsch eines Zusammenlebens von Mensch und Tier „auf Augenhöhe“.

Eine Komplexität im Denken und ein Anspielungsreichtum, der sich in den Titel offenbart: Flower Coordinates, Thicker than blood, Syncopation oder Walking the line beziehen sich auf aktuelle gesellschaftliche Beobachtungen ebenso wie auf historische Referenzen, theoretische Konzepte und persönliche Erfahrungen. Sie ergänzen die konkrete Materialität der Arbeiten um einen Resonanzraum, der spielerisch begangen und gesponnen wird, ohne auf Distinktion aus zu sein.

 

Es sind vielschichtige Arbeiten, in denen unterschiedliche Motive, Farben, Dynamiken, Materialien und Arbeitsweisen kombiniert werden.

Es sind großformatige Arbeiten, die Raum nehmen, in dem sie drei Wände eines Raumes füllen oder über mehrere Meter auf Plakatwänden angebracht sind.

Es sind hybride Objekte, bei denen adverse Materialien und Haptiken ineinander übergehen, die weich und hart sind, die anziehend sind und gleichzeitig verstören in ihrer Objekthaftigkeit.

 

Die Verwendung von Material, wie Wachs, Zinn, Textil, Glasscherben, das seinen Aggregatzustand verändern kann. Bei der Bearbeitung geht es der Künstlerin darum, die handwerklichen Fähigkeiten zu verlernen, um alchemistischen Prozesse anzustoßen, deren finale Form nicht vorhersehbar ist. Es ist eine Abgabe von Kontrolle und Macht, die der Forderung nach einem nicht-hierarchischem Umgang mit allen nicht-menschlichen Akteuren entspricht.

 

Die Aktivierung der Betrachtenden, die die Kunstwerke erlaufen oder um sie herumgehen müssen. Es ist kein passives Verhältnis, eher ein lockendes, herausforderndes. Es zeigt sich darin die Entscheidung für ein menschliches Maß, für Arbeiten, die den Körper des Menschen mitdenken ohne einschüchternd oder monumental zu wirken.

Der Einbezug des Raumes, in den die Kunstwerke gehängt oder gestellt werden. Er wird zu einem Teil der Inszenierung, wenn er von drei Seiten umkreist wird, von herabhängenden Stoffen durchtrennt wird oder Objekte in ihm Platz beanspruchen.

 

Es geht nicht darum, Antworten zu geben, sondern Fragen zu stellen und diese in Materialitäten zu übersetzen. Die Fragilität des Fragenden entspricht einer tastenden Arbeitsweise, die jedoch nicht zaudernd ist, sondern kraftvoll. Sich dem Zarten/ dem Prozess/ dem Ephemeren zuzuwenden, ist eine bewusste Entscheidung, kein Ausweichen.

 

 

Dr. Anna-Lena Wenzel